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»Wir gehen rein und ermitteln – klar und diskret«

Dirk Brückmann ist seit mehr als 20 Jahren Ermittler. Er plante und leitete in seiner Berufslaufbahn bereits unzählige Einsätze, die meist durch starkes Teamwork zum Erfolg führten. Im Interview erzählt er von den Aufgaben und Möglichkeiten von Sonderermittlern.
Teamwork ist für Ermittlungsarbeit enorm wichtig (Symbolfoto: shutterstock.com/Gorodenkoff)

Herr Brückmann, was ist eigentlich ein Sonderermittler?

Brückmann: Sonderermittler sind Berufsermittler, die keinem staatlichen Organ der Ermittlung, Kriminalitätsbekämpfung oder Strafverfolgung angehören. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Aufklärung von zivil- und strafrechtlich relevanten Sachverhalten im Auftrag von Unternehmen, Institutionen, Anwälten, Family Offices, Beratern und Privatpersonen. Sprich: Ihre Aufgabe ist es, so genannte »beweiserhebliche Tatsachen« festzustellen und entsprechende Dokumentationen dem Mandanten zu übergeben. Das soll ihn zu weiterem Handeln in seinem Rechtsschutzinteresse befähigen oder die Aufklärung in wichtigen Fragestellungen voranzutreiben. Oft sind solche Ermittler für Unternehmen, aber auch für Institutionen und Anwälte im Einsatz.

Sonderermittler müssen auch juristisch wissen, was sie tun

Sonderermittler werden unter anderem eingesetzt, um innerhalb von Unternehmen oder Institutionen zu ermitteln. Sie werden beispielsweise vom Management als Task Force angefordert, um Sachverhalte aufzuklären. Anders als staatliche Ermittler geben sie ihre Ergebnisse aber an den Auftraggeber weiter, nicht an die Justiz. So können die Ermittlungsgruppen professionell aufklären und dennoch die wichtige Diskretion wahren. (Symbolfoto: shutterstock.com/Photographee.eu)

Warum ist der Bedarf an Sonderermittlern in Institutionen und Unternehmen groß?

Das ist eigentlich ganz einfach: Viele Firmen, Vereinigungen, öffentliche Einrichtungen und Institutionen wie Religionsgemeinschaften sind viel zu groß, als dass sie davor geschützt wären, dass es auch in ihren Reihen einige mehr oder weniger kriminelle Menschen gibt oder in der Vergangenheit gegeben hat. Die katholische Kirche und die Missbrauchsskandale sind Beispiele, aber auch schwarze Kassen, mit denen Parteien aufgeflogen sind. Gleichzeitig können sich diese Institutionen oft überhaupt nicht leisten, ins Fadenkreuz der Justiz zu geraten, wenn ihnen ein dubioser Vorgang intern auffällt und noch nicht an die Öffentlichkeit gespült wurde. Wenn bei einem Verdacht beispielsweise auf Korruption oder andere verbotene Handlungen immer gleich mit großem Getöse Polizei, Staatsanwaltschaft oder Zoll einfliegen, dann sind der Skandal, der Reputationsschaden und womöglich auch negative Kurseffekte, die aus dieser Aufmerksamkeit resultieren, oft um ein Vielfaches größer als das Delikt und das Ereignis selbst. Weil aber die Verantwortlichen in solchen Institutionen es vielfach schon rein rechtlich nicht unter den Teppich kehren dürfen, wenn Sie den Verdacht auf eine Straftat etwa zu Lasten der Institution oder sogar geschädigtet Menschen haben, müssen sie den Verdachtsmomenten oft auf den Grund gehen. Das ist dann der Punkt, an dem Sonderermittler ins Spiel kommen: Sonderermittler suchen und sichern gerichtsverwertbare Beweise professionell, aber diskret. Das ist auch für Family Offices oder Persönlichkeiten in exponierter gesellschaftlicher Stellung wichtig, denn diese können sich eines nicht leisten: negative Öffentlichkeit. Ich erinnere mich da an einen meiner eigenen Mandanten, den man gemeinhin als »adelig« bezeichnen würde. Er brauchte stichhaltige Beweise in einer finanziell wie familiär äußerst wesentlichen Angelegenheit, absolutes Stillschweigen war ihm allerdings noch wichtiger. Er hat beides bekommen. Auch für diese Menschen und ihre Sorgen sind Sonderermittler da.

Das bedeutet, dass ihre Ergebnisse häufig in der Schublade verschwinden?

Nein, das ist nicht gesagt. Vielmehr ist es so, dass unser Job zunächst einmal ist, eine Faktenbasis zu schaffen. Wir gehen in die Institutionen rein, haben dabei den Auftrag der Verantwortlichen und weitreichende Befugnisse, was beispielsweise die Befragung und Sichtung bestimmter Dokumente angeht. Wir schauen uns Unterlagen, Daten, IT-Strukturen, Vorgänge und relevante Akten an, alles selbstverständlich unter Wahrung des Datenschutzes und aller anderen rechtlichen Vorgaben auch zum Schutz von Personalinformationen, Persönlichkeitsrechten, Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen. Das ist sehr wichtig, damit ein Ermittlungsergebnis nicht nachher aus formalen Gründen in möglichen Justizverfahren ungenutzt bleiben muss oder dem Mandanten sogar auf die Füße fällt. Unprofessionelle Dienstleister, die sich nicht auskennen, greifen teilweise nämlich auf verbotene Ermittlungsmethoden zurück und bringen nicht nur sich selbst, sondern auch den Auftraggeber in die Gefahr einer strafbaren Handlung. Das ist für uns ein Unding. Also: Wenn wir diese Faktenbasis dann professionell geschaffen haben, müssen der Mandant oder dessen juristische Berater einschätzen, was damit geschieht. Oft ist es so, dass die Erkenntnisse und Beweise gerade nicht in der Schublade landen, sondern die Ausgangsbasis für zivilrechtliche, arbeitsrechtliche oder tatsächlich dann auch strafrechtliche Verfahren werden, betrieben entweder durch die Staatsanwaltschaft oder zum Beispiel bei Bestechung und Bestechlichkeit auf dem Weg der Privatklage. Oder die Ermittlungsergebnisse werden dafür genutzt, öffentlich aufzuklären, juristisch durchsetzbare von fadenscheinigen Ansprüchen zu trennen, sich mit möglichen Opfern und Gesellschaft zu versöhnen und insgesamt einen schädlichen Skandal durch Aufklärung reputationsfördernd zu nutzen. Solche Entscheidungen liegen aber nicht in unserer Kompetenz, sondern in der des Mandanten. Wir bemühen uns nur, die nötigen Fakten als Grundlage solcher Überlegungen zu liefern.

Mandanten behalten die Hoheit über die Ermittlungen

Ihre Dienste bieten die Sonderermittler auch für Institutionen an, die beispielsweise aufgrund ihrer Größe oder wegen ihres langen Bestehens in bisher undurchsichtigen Sachverhalten klare Sicht haben möchten. Das kann historische Nachforschungen ebenso betreffen wie aktuelle Fragestellungen. Mandanten können hier entweder die Institutionen selbst oder außenstehende Personen mit berechtigtem Interesse sein. (Symbolfoto: shutterstock.com/Inked Pixels)

Wie eng arbeiten Sie während der Ermittlung mit ihrem Mandanten zusammen?

Die enge Abstimmung mit unserem jeweiligen Mandanten ist das A und O unserer Arbeit. Das bedeutet, dass wir von vornherein ganz klar alle wichtigen Informationen benötigen und uns darauf verlassen können müssen, dass der Mandant uns keine relevanten Daten, Fakten und Beobachtungen vorenthält. Ebenso kann sich der Mandant darauf verlassen, dass er alle wichtigen Erkenntnisse aus der Arbeit der Sonderermittler sofort erfährt und wir ansonsten Stillschweigen bewahren. Häufig ist es auch der Fall, dass die Abstimmung mit dem Justiziariat oder den Anwälten der Mandantschaft stattfindet. Mit ihnen werden in aller Regel auch die jeweils weiteren Schritte der Ermittlung besprochen und daraufhin überprüft, ob sie notwendig, gerechtfertigt und vielversprechend sind.

Taktik und Ermittlungsschritte der Sonderermittler finden in aller Regel in enger Abstimmung mit dem Auftraggeber oder dessen juristischen Vertretern statt. Die Sonderermittler selbst achten jedoch auch darauf, bei ihrer Arbeit auf der rechtlich sicheren Seite zu sein – das ist vor allem im Sinne ihrer Mandanten. (Symbolfoto: shutterstock.com/wavebreakmedia)

Mussten Sie auch schon einmal Ermittlungen ablehnen?

Ja. Das tun wir immer dann, wenn uns ein Fall von vornherein aussichtslos erscheint oder die Ermittlungsmethoden, die dem Mandanten vorschweben, mit unserer professionellen Herangehensweise nicht in Einklang stehen. Leider kommt es vor, dass Mandanten von uns zuweilen Maßnahmen wünschen, die sie offenbar in einem skandinavischen Krimi, dem sonntäglichen »Tatort« oder einer gescripteten Detektiv-Soap gesehen haben. Unsere Möglichkeiten und Kenntnisse gehen schon sehr weit, aber wir greifen nicht zu illegalen Methoden, die uns oder den Mandanten selbst in Teufels Küche bringen und die Nutzbarkeit des Ermittlungsergebnisses insgesamt gefährden. Wir tun also nicht alles, was theoretisch möglich wäre, aber das ist auch gar nicht nötig. In der Regel gibt es nämlich auch den sicheren, legalen und rundum professionelleren Weg, zum selben Ergebnis zu kommen.

Wie sicher sind ihre Beweise?

Die eingesetzten Kolleginnen und Kollegen und auch ich haben viele Jahre Erfahrung darin, zu ermitteln und eine professionelle Beweissicherung vorzunehmen. Unsere Beweise wurden schon oft in Straf- und Zivilprozesse eingeführt und haben Verfahren mitunter entscheidend beeinflusst oder sogar das richtige Urteil erst ermöglicht. Sehr oft reichen sie aber auch einfach aus, um eine so erdrückende Beweislast gegen Zielpersonen oder Verfahrensgegner herzustellen, dass es zu einer außergerichtlichen Lösung im Sinne unserer Mandanten kommt. Ich denke, insgesamt stehen wir staatlichen Ermittlungsstellen im Punkt Beweissicherheit nicht nach. Im Gegenteil: Wir sind ihnen gegenüber sogar in einem gewissen Vorteil. 

Wie bitte?

Ja, wir haben gegenüber Strafverfolgungsbehörden neben der Möglichkeit, Diskretion zusagen zu können, einen weiteren großen Vorteil: Unsere Ermittlungen müssen in der Regel nicht an der Grenze von Ländern und Staaten aufhören. Wenn wir beispielsweise an einer Dependance der auftraggebenden Institution im Ausland ermitteln müssen oder uns eine Spur ins Nachbarland führt, können wir in der Regel ganz einfach dort weitermachen, entweder selbst oder durch professionelle Partner im entsprechenden Staat. Polizei, Staatsanwaltschaft, Steuerfahndung hingegen müssen bei Auslandsermittlungen häufig zunächst ein Ersuchen an das betroffene Land richten, welches dann im besten Fall eigene Ermittler losschickt, in der Praxis oft genug aber einfach gar nichts tut. Das haben viele Kriminelle in ihren Strukturen längst berücksichtigen und planen beispielsweise Korruption oder Betrugsmaschen schon von vornherein so, dass staatliche Ermittler im wahrsten Wortsinn schnell an ihre Grenzen kommen. Wir hingegen können beinahe überall auf der Welt vor Ort, aber auch beispielsweise in der Datenanalyse und im digitalen Anti-Fraud-Management sehr schnell global agieren.

Sonderermittler: Vom Fahnder bis zum Forensiker

Wer sind die Sonderermittler?

Da wir unsere Teams aus Fachleuten je nach Einsatzerfordernissen zusammenstellen, sind wir da unglaublich flexibel. Wir können auf observationserfahrene Ermittler, Detektive für den verdeckten Einsatz, ehemalige Kriminalbeamte, IT-Security-Professionals, Forensiker und Kommunikationstechniker ebenso zurückgreifen wie auf die Dienste von Sachverständigen für Brandursachen, Schriftanalyse oder biologische Spuren. Wir ziehen erfahrene Ermittlungsleiter aus dem Bereich der Organisierten Kriminalität ebenso zu Rate wie frühere Mitarbeiter der Mordkommission. Außerdem setzen wir Befragungsexperten, versierte Online-Rechercheure und Leute ein, die sich mit großem Eifer durch Archive forschen – um nur Beispiele zu nennen. Und weil auch die spezifische juristische Komponenten oder etwa Krisenkommunikation eine Rolle spielen können, können wir auch auf Juristen und Kommunikationsexperten zurückgreifen. Unser Motto ist, dass wir für jeden Fall die richtige Mannschaft zusammenstellen. 

Klassische Ermittlungsarbeit gehört zum Standardrepertoire der Sonderermittler. (Symbolfoto: shutterstock.com/K.Chuansakul)

In welchen Fällen können die Sonderermittler aktiv werden?

In allen erdenklichen Fragestellungen, in denen ein Defizit an verlässlich dokumentierter Information herrscht. Wir können in Wirtschaftsstrafsachen ermitteln, bei ungeklärten Todesfällen nachforschen, verschwundene Personen oder Gegenstände suchen, Provenienzen überprüfen oder auch in zeitgeschichtlich relevanten Sachverhalten aktiv werden. Ein Beispiel dafür könnte sein, das ist in einer Kirche oder Vereinigung vor vielen Jahren zu Handlungen gekommen ist, die heute in einem völlig anderen Licht erscheinen oder nachträglich aufgeklärt werden sollen. Dann könnte es wegen der Verjährung womöglich gar nicht mehr um Strafverfolgung gehen, sondern um den Wunsch nach Aufklärung und letztlich Gerechtigkeit im Sinne der Opfer. Aber das ist nur ein Beispiel. Die Sonderermittler können in Fällen internationaler Betrugsbekämpfung als interne Ermittlungsgruppe im Konzern ebenso tätig werden wie bei organisiertem Rohstoffdiebstahl im mittelständischen Unternehmen oder bei der Ermittlung von Fakten zur Wiederaufnahme von Mordfällen, was übrigens auch juristisch eine ziemlich komplizierte Angelegenheit ist.

Weites Arbeitsfeld: Einschleusung, Vernehmung, Datenanalyse, IT-Forensik und mehr

IT-Forensik gehört ebenfalls zum Portfolio der Sonderermittler. (Symbolfoto: shutterstock.com/Microgen)

Auf welche Art und Weise ermitteln Sie?

Auch das ist ganz verschieden. Jeder Fall ist anders gelagert und macht für die Sonderermittler eine andere Teamaufstellung, andere Taktiken, andere Techniken und anderes Arbeiten notwendig. Das geht von der reinen Datenanalyse, IT-Forensik und Arbeit in Netzwerksystemen über die klassische Observation vor Ort und wochenlange Einschleusung verdeckter Ermittler in Unternehmen bis hin zur Befragung dutzender Zeugen und der langwierigen Recherche in Akten und Archiven. Oft spielt vieles davon zusammen und nur ein buntes Bündel an Maßnahmen, die allesamt professionell ausgeführt sein müssen, ergibt dann das solide Ermittlungsergebnis.

Können Sie dafür ein Beispiel nennen?

Ich selbst war vor wenigen Wochen in einen Fall involviert, in dem es um die Ermittlung eines Erben ging. Ziel war es festzustellen, wer berechtigterweise einen nennenswerten Nachlass erhalten sollte. Die Arbeit begann mit der Befragung von Zeugen, führte uns über die Recherche in diversen digitale Netzen und verschiedene Behörden schließlich ins Ausland, wo wir unter anderem auf einem Friedhof, in alten Dokumenten aber auch in sozialen Milieus ermitteln mussten, teilweise unter Legende. Es waren auch hier wieder Teamwork und eine Vielzahl an einzelnen Ermittlungsmaßnahmen, die den juristisch sicheren Erfolg für unseren Mandanten gebracht haben. Und das ist letztlich das, was unsere Arbeit so spannend macht.