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Die Einschleusung

Der Neue passte gut in die Firma. Doch Markus N. hieß nicht Markus N. Der freundliche Mann war Sonderermittler und seine Mission: heikel.
Einschleusung (Symbolbild: shutterstock.com/Motortion Films)

Der Neue passte gut in die Firma. Er trug die passende Kleidung, kannte sich in der Branche aus, und auch an die Gepflogenheiten der Kollegen schien er sich schnell zu gewöhnen. Ein freundlicher Kerl, fand die Belegschaft, Markus N. hatte innerhalb kürzester Zeit Anschluss gefunden. Doch Markus N. hieß nicht Markus N. Und der Job, in dem er arbeitete, war eigentlich gar nicht seiner. Der freundliche Mann war Sonderermittler. Doch all das wusste nur einer im Unternehmen – der Chef.

Ihn nämlich hatte lang schon die Sorge gequält, dass irgendetwas faul war unter den Mitarbeitern. Vermutlich planten einige, selbst in der Branche aktiv zu werden, und dazu brauchten sie Insiderwissen. Einige Male schon hatten sie ihre Gespräche abrupt abgebrochen, als jemand von der Geschäftsführung eintrat. Ein, zwei Angestellte waren auch schon dabei erwischt worden, wie sie in Unterlagen wühlten, die sie überhaupt nichts angingen. Für das Unternehmen stand einiges auf dem Spiel. Vor allem, wenn sich Leute mit strategisch wichtigen Posten dem Vorhaben anschließen würden. Zu alledem kam, dass immer wieder Dinge aus Büro und Lager verschwanden: Wertgegenstände und einfacher Kleinkram, aber in letzter Zeit hatte sich das gehäuft. Würde man einen Mitarbeiter beim Diebstahl erwischen, vielleicht auch nur bei einer Unterschlagung, könnte man ihm sofort kündigen. Da waren Gesetze und Rechtsprechung eindeutig. Egal ob Arbeits- oder Amtsgericht: Wer Mitnahm, was ihm nicht gehörte, wer sich vielleicht sogar der Datenausspähung oder der Konkurrenzspionage schuldig machte, hatte vor dem Richter keine Chance. Doch dafür mussten hieb- und stichfeste Beweise her. Nur Sonderermittler, gut ausgebildete Leuten, konnten da helfen.

Markus N. hatte die Aufgabe, Klarheit zu verschaffen. Er kam morgens zu Arbeit wie all die anderen Frauen und Männer, arbeitete mit, und keiner merkte, dass der Job neu für ihn war. Er hatte vorher Erkundigungen über seine Arbeitsabläufe eingeholt, sich einiges angelesen und erzählen lassen. Er wusste, wie er sich zu verhalten hatte. Und er war bald so beliebt, dass seine Kollegen ihn nicht mehr ausschlossen von ihren Insider-Gesprächen. Keiner von ihnen ahnte, dass er später alles bezeugen würde, dass er sich immer wieder unauffällig, akribisch Notizen machte und abends seine Berichte für die geprellte Unternehmensleitung tippte. Am wenigsten aber ahnten sie, dass der nette Kollege über ein technisches Equipment verfügte, mit dem sich all ihre Taten gerichtsverwertbar beweisen ließen. Und dass sie, nachdem er sie überführt haben würde, auch noch seine detektivische Arbeit würden bezahlen müssen.

Der Sonderermittler nutzte seinen Vorteil aus. Und hatte Erfolg. Selbst der Diebstahl einer Kaffeetasse war Markus N. nicht verborgen geblieben, als er nach kurzer Zeit schon wieder seine Arbeitskleidung an den Nagel hing und unter seinem richtigen Namen das Büro der Unternehmensleitung betrat.